Viele Lotto-Annahmestellen sind zugleich wichtige Verkaufsstellen für Zeitungen und Zeitschriften. Deshalb betrifft die Neuordnung des deutschen Presse-Grosso nicht allein Verlage und Großhändler, sondern auch den stationären Einzelhandel. Im Juli 2026 wurde die Presse-Grosso-Allianz (PGA) formell gegründet. Sie soll den Pressevertrieb künftig in einer stärker zentralisierten Struktur organisieren.
Was verändert sich?
Die Verlagsinitiative „Fit for Future“ hat ein Modell vorgelegt, in dem die PGA den Ein- und Verkauf von Presseerzeugnissen zentral organisiert. Regionale Systempartner sollen logistische Aufgaben übernehmen. Im Februar 2026 hatte das Bundeskartellamt seine Prüfung nach Anpassungen am Modell abgeschlossen und zunächst keine weiteren Maßnahmen ergriffen. Dies ist keine pauschale Garantie dafür, dass es bei jeder einzelnen Verkaufsstelle zu keinen Änderungen kommt.
Am 14. Juli 2026 wurde die formelle Gründung der Allianz bekannt gemacht. Weitere Beteiligungen und Veränderungen der Vertriebsstruktur sind im Zuge der Umsetzung vorgesehen.
Was ist für Verkaufsstellen entscheidend?
- Flächendeckende Belieferung: Auch kleinere und ländliche Standorte müssen zuverlässig erreicht werden.
- Sortimentsvielfalt: Lokale, regionale und kleinere Verlagstitel sollen für Leserinnen und Leser weiterhin verfügbar bleiben.
- Planbare Abläufe: Bestellprozesse, Lieferzeiten, Retouren und Remissionen dürfen nicht unnötig komplizierter werden.
- Wirtschaftliche Bedingungen: Änderungen bei Mengen, Konditionen oder Logistik können die Rentabilität des Pressegeschäfts unmittelbar beeinflussen.
Unterschiedliche Positionen zur Reform
Befürworter der Neuordnung erwarten eine wirtschaftlich tragfähigere Organisation bei rückläufigen Printauflagen. Der Gesamtverband Pressegroßhandel warnte dagegen bereits im Februar vor möglichen Benachteiligungen kleiner Verlage und Risiken für die Versorgung. Diese unterschiedlichen Perspektiven müssen im weiteren Verfahren berücksichtigt werden.
Position des HLTV
Der HLTV hält ein leistungsfähiges, diskriminierungsfreies und verlässliches Pressevertriebssystem für unverzichtbar. Die Interessen kleiner Verkaufsstellen dürfen bei der Neugestaltung nicht erst am Ende berücksichtigt werden. Wir werden insbesondere auf Belieferungssicherheit, praktikable Abläufe und wirtschaftliche Rahmenbedingungen achten.
Quellen: BDZV, 14.07.2026; BDZV zur kartellrechtlichen Prüfung; Gesamtverband Pressegroßhandel, 11.02.2026.
Redaktioneller Hinweis (Stand: 23. Oktober 2026): Dieser Beitrag wurde rückblickend recherchiert und nachveröffentlicht. Das Archivdatum orientiert sich am Anlass vom 14. Juli 2026; es ist nicht das tatsächliche Veröffentlichungsdatum.
