BLD-Umfrage 2026: Lotto-Annahmestellen unter wachsendem Druck

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Die wirtschaftliche Situation vieler Lotto-Annahmestellen ist angespannt. Das zeigt die aktuelle Befragung des Bundesverbands Lotto-Toto Verkaufsstellen Deutschland e.V. (BLD) unter dem Titel „Nah. Legal. Notwendig.“. 815 Betreiberinnen und Betreiber haben ihre Erfahrungen geschildert. Besonders steigende Betriebskosten, verändertes Kaufverhalten und mögliche weitere Verbrauchsteuererhöhungen bereiten ihnen Sorgen.

Steigende Kosten setzen die Betriebe unter Druck

89 Prozent der befragten Betriebe geben an, dass steigende Betriebskosten ihr Geschäft in den vergangenen Jahren stark beeinflusst haben. 78 Prozent nennen ein verändertes Kaufverhalten, 74 Prozent Bürokratie und Regulierung sowie 67 Prozent Online-Angebote als starke Belastungsfaktoren. Auch der Fachkräftemangel spielt eine Rolle.

Eine Annahmestelle lebt vom Zusammenspiel ihrer Sortimente

Lotto allein trägt die Geschäfte meist nicht. Neben dem Glücksspielangebot verkaufen 89 Prozent der teilnehmenden Betriebe Tabakwaren und 87 Prozent Zeitungen und Zeitschriften. Jeweils 64 Prozent bieten Getränke, Süßwaren und andere Waren für den täglichen Bedarf beziehungsweise Post-, Paket- oder Bankdienstleistungen an.

Gerade für inhabergeführte Fachgeschäfte ist diese Vielfalt entscheidend: Wer einen Lottoschein abgibt, kauft häufig zugleich Presseartikel, Tabakwaren oder Getränke. Fällt ein wichtiger Umsatzträger weg, können deshalb auch Umsätze in anderen Bereichen verloren gehen.

83 Prozent erwarten Nachteile durch höhere Verbrauchsteuern

Die Befragung thematisiert auch diskutierte Verbrauchsteuererhöhungen auf Konsumgüter, darunter Tabak, zuckerhaltige Produkte und Alkohol. 83 Prozent aller teilnehmenden Betriebe rechnen dadurch mit negativen Folgen für ihr Geschäft; 48 Prozent erwarten sogar sehr negative Auswirkungen. Unter den inhabergeführten Fachgeschäften liegt der Anteil der Betriebe, die negative Folgen erwarten, bei 89 Prozent.

Dabei handelt es sich um die Einschätzung möglicher künftiger Belastungen. Die Befragung weist keinen gesonderten Prozentwert allein für eine Tabak- oder Zuckersteuer aus.

Umsatzverluste könnten Standorte und Arbeitsplätze gefährden

Ein deutlicher Rückgang bei wichtigen Umsatzträgern hätte nach Angaben der Befragten spürbare Folgen: 54 Prozent würden Personalstunden reduzieren, 50 Prozent selbst mehr arbeiten und 40 Prozent ihre Öffnungszeiten einschränken. 51 Prozent sähen ihren Standort gefährdet; 30 Prozent würden eine Schließung konkret in Betracht ziehen.

Diese Angaben beschreiben mögliche Reaktionen auf einen deutlichen Umsatzrückgang. Sie bedeuten nicht, dass bereits 30 Prozent der Annahmestellen vor einer unmittelbar bevorstehenden Schließung stehen.

Mehr als ein Ort für den Lottoschein

In den offenen Antworten beschreiben viele Betreiberinnen und Betreiber ihre Geschäfte als feste Anlaufpunkte in der Nachbarschaft. Neben Nahversorgung und Dienstleistungen geht es um persönliche Begegnungen, Beschäftigung und die Alterskontrolle beim Verkauf gesetzlich regulierter Produkte. 580 der 815 Teilnehmenden nutzten die Möglichkeit, ihre Anliegen unmittelbar an die Politik zu formulieren.

Die Bestandszahlen verdeutlichen den Hintergrund: Laut der vom BLD herangezogenen Statistik gab es in Deutschland 2025 noch 19.942 Lotto-Annahmestellen, erstmals weniger als 20.000. Seit 2022 schließen demnach im Durchschnitt knapp 300 Annahmestellen pro Jahr.

Fazit: Die gesamte wirtschaftliche Grundlage berücksichtigen

Die Ergebnisse machen deutlich, dass wirtschafts- und steuerpolitische Entscheidungen nicht nur einzelne Warengruppen betreffen. Für viele Lotto-Annahmestellen entscheidet das Zusammenspiel von Lotto, Presse, Tabak, Dienstleistungen und weiteren Sortimenten darüber, ob sie ihren Standort langfristig erhalten können. Wer wohnortnahe Versorgung und persönliche Beratung bewahren will, muss diese wirtschaftlichen Zusammenhänge berücksichtigen.

Zur Befragung

Der BLD führte vom 26. August bis 19. Oktober 2026 eine anonyme Online-Befragung durch. 815 Annahmestellen beteiligten sich freiwillig, rund vier Prozent der bundesweiten Standorte. Die Ergebnisse geben die Sicht der teilnehmenden Betriebe wieder; eine repräsentative Zufallsstichprobe liegt nicht vor. Eine gesonderte Auswertung nur für Hessen ist in der Ergebnisdokumentation nicht enthalten.

Quelle: Bundesverband Lotto-Toto Verkaufsstellen Deutschland e.V. (BLD), Ergebnisdokumentation „Nah. Legal. Notwendig.“, Oktober 2026. Weitere Informationen beim BLD.