„Wir brauchen Ihre Unterstützung!“: Die Forderungen des HLTV zur Sicherung der Lotto-Annahmestellen

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„Wir brauchen Ihre Unterstützung!“ Mit diesem eindringlichen Appell wendet sich der Hessische Lotto- und Totoverband e. V. (HLTV) an die politischen Entscheidungsträger in Hessen und an die Verantwortlichen von Lotto Hessen. Hinter dem Aufruf steht eine zentrale Forderung: Die wirtschaftliche Grundlage der Lotto-Annahmestellen muss gestärkt werden, damit ein flächendeckendes, verlässliches Vertriebsnetz auch in Zukunft bestehen kann.

Die inhabergeführten Annahmestellen tragen seit Jahrzehnten zum Erfolg des Lotterieangebots bei. Sie schaffen Arbeitsplätze, vermitteln Spielaufträge, beraten ihre Kunden und verbinden das Lottoangebot häufig mit Presse, Tabakwaren und weiteren Dienstleistungen. Steigende Betriebs- und Personalkosten gefährden jedoch zunehmend die Rentabilität dieser Geschäfte.

Steigende Kosten, aber keine ausreichende Anpassung der Vergütung

Mieten, Energie, Versicherungen, Löhne und weitere laufende Kosten sind in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen. Das derzeitige Provisionsmodell geht in seinen Grundzügen auf das Jahr 2005 zurück. Nach Auffassung des HLTV berücksichtigt es die wirtschaftliche Entwicklung der Verkaufsstellen nicht mehr ausreichend. Gerade kleinere Betriebe können steigende Kosten nicht ohne Weiteres durch zusätzliche Umsätze ausgleichen.

Die Zahlen verdeutlichen die Schieflage

Nach den im HLTV-Schreiben an Staatssekretär Dr. Martin J. Worms vom 26. September 2023 genannten Zahlen gab es in Hessen 2011 rund 2.200 Verkaufsstellen. Sie erzielten zusammen etwa 556 Millionen Euro Umsatz, bei ungefähr 45 Millionen Euro Provisionen. Für 2022 nennt der Verband 2.015 Annahmestellen, rund 38 Millionen Euro Provisionen und einen Umsatz von etwa 745 Millionen Euro, der ausdrücklich auch das Onlinegeschäft von Lotto Hessen umfasst.

Damit sind die Umsatzzahlen beider Jahre nicht unmittelbar vergleichbar. Der aus Sicht des HLTV entscheidende Befund lautet dennoch: Die ausgewiesenen Provisionen für die Annahmestellen waren 2022 niedriger als 2011, während die Kosten der Betriebe deutlich stiegen. Im September 2023 ging der Verband von nur noch ungefähr 1.900 Lotto-Annahmestellen in Hessen und knapp 10.000 Beschäftigten in den Verkaufsstellen aus. Alle Zahlen stammen aus der damaligen Verbandsdarstellung.

Forderung 1: Ein zeitgemäßes Provisionsmodell

Der HLTV fordert eine Überarbeitung der Vergütungsstruktur, damit die Annahmestellen wirtschaftlich bestehen können. Eine tragfähige Provision muss aus Sicht des Verbands die Leistungen des stationären Vertriebs und die gestiegenen Betriebs- und Personalkosten angemessen berücksichtigen. Ein dauerhaft funktionierendes Vertriebsnetz kann nicht allein von der Einsatzbereitschaft seiner Betreiberinnen und Betreiber leben.

Forderung 2: Bearbeitungsgebühr um 25 Cent erhöhen

Als konkrete Alternative zur Anpassung des Provisionsmodells schlug der HLTV bereits 2019 eine Erhöhung der Bearbeitungsgebühr um 0,25 Euro je Spielauftrag vor. Damit ließen sich den Verkaufsstellen zusätzliche Einnahmen ermöglichen, ohne das gesamte Provisionssystem neu zu gestalten. Der Verband verwies in seinem Schreiben darauf, dass in anderen Bundesländern unterschiedliche und teilweise höhere Bearbeitungsgebühren üblich waren. Eine solche Gebührenerhöhung wäre ein vergleichsweise überschaubarer, aber aus Sicht der Annahmestellen spürbarer Schritt.

Forderung 3: Den stationären Lottovertrieb langfristig sichern

Der Ausbau des Onlinegeschäfts darf die Annahmestellen nicht wirtschaftlich zurücklassen. Der HLTV fordert, dass die Weiterentwicklung von Lotto Hessen auch die Partnerschaft mit dem stationären Vertrieb berücksichtigt. Wenn Geschäftsaufgaben und Schließungen zunehmen, verlieren Kundinnen und Kunden gerade auf dem Land Anlaufstellen und persönliche Beratung. Ein einmal aufgegebenes Geschäft lässt sich nicht ohne Weiteres ersetzen.

Forderung 4: Die gesellschaftliche Leistung der Annahmestellen anerkennen

Lotto-Annahmestellen sind mehr als Orte zur Abgabe von Spielscheinen. Viele gehören seit Jahrzehnten zur örtlichen Nahversorgung, beschäftigen Mitarbeitende und schaffen verlässliche Ansprechmöglichkeiten. Zugleich bilden die Einnahmen aus dem staatlichen Lotteriewesen eine wichtige Grundlage für Förderungen in den Bereichen Sport, Kultur, Denkmalpflege, Soziales und Umwelt. Aus Sicht des HLTV gehört die Stärkung der Annahmestellen deshalb auch zur Sicherung einer gewachsenen Infrastruktur.

Politik und Lotto Hessen sind gefordert

Mit seinem Appell sucht der HLTV den sachlichen Austausch mit allen relevanten Fraktionen sowie mit Lotto Hessen und dessen Aufsichtsrat. Ziel ist eine konstruktive Lösung für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Verkaufsstellen. Der Verband fordert keine Sonderbehandlung, sondern eine verlässliche Perspektive für Betriebe, die über Jahrzehnte am Erfolg des staatlichen Lotteriewesens mitgewirkt haben.

Der HLTV wird sich weiter für die wirtschaftliche Zukunft seiner Annahmestellen einsetzen. Denn der Erhalt eines starken Lottovertriebsnetzes liegt im Interesse der Betriebe, ihrer Mitarbeitenden und der Menschen vor Ort.

Die politischen Gespräche im Jahr 2023

Wie der HLTV seine Forderungen im persönlichen Austausch mit Vertretern der Fraktionen und mit dem Aufsichtsrat von Lotto Hessen vorgebracht hat, dokumentiert der begleitende Bericht: HLTV im Gespräch mit der hessischen Landespolitik und Lotto Hessen.

Dokumentarische Grundlage: Schreiben des HLTV-Vorsitzenden Thomas Krause an Staatssekretär Dr. Martin J. Worms vom 26. September 2023. Die genannten Zahlen und Vorschläge geben die Position des HLTV im Jahr 2023 wieder.